Die Mauer ist weg. Deutsche Geschichte mit Kindern besprechen

30 Jahre Wiedervereinigung – am 03. Oktober 2020 jährt sich eines der wichtigsten Ereignisse der neueren deutschen Geschichte. Viele Kinder und Jugendliche haben dazu keinen persönlichen Bezug mehr – trotzdem ist es wichtig, dass sie ihre Geschichte (bzw. die Geschichte ihre Landes) kennen und daraus für die Zukunft lernen. Zum Tag der deutschen Einheit haben wir deshalb drei kostenlose Arbeitsblätter erstellt, mit denen Kinder sich mit dem Thema beschäftigen können; alleine, in der Schule oder im Kindergarten.

Es gibt ja diese Tage, die man sich merkt.

Der erste Schultag. Der 18. Geburtstag. Der 11. August 1999, als die Sonne sich komplett hinter dem Mond versteckte. Oder der 16. Juli 1969, als Neil Armstrong den fein säuberlich gepuderten Boden des Mondes zertrampelte.

Wer dabei war, hat die Szene sofort vor dem inneren Auge: Die Schultüte, die Aufregung, das Kribbeln, das Flackern des Fernsehbildschirms.

Wer nicht dabei war, fühlt sich oft trotzdem so – denn die Geschichte wurde tausendmal erzählt, berichtet, verfilmt, reproduziert.

In Deutschland ist dieser Tag, der auf der Stelle eine ganze Wagenladung an Bildern, Assoziationen und Emotionen freisetzt, mitten im Herbst:

Wo waren Sie am 9. November 1989?

Aus zwei mach eins – endlich „wiedervereint“

Denn der 9. November 1989 war der wohl wichtigste, folgenreichste Tag der neueren deutschen Geschichte. Und er fehlt ganz sicher in keinem Geschichtsbuch.

Wiedervereinigung: Am 9. November 1989 feiern tausende Menschen auf der Mauer ihre Freiheit.

@Lear 21 / Wikipedia, CC BY-SA 3.0

28 Jahre, zwei Monate und 27 Tage lang hatten die Deutschen in einem geteilten Land gelebt – in der „Bundesrepublik Deutschland“ im Westen und in der „Deutschen Demokratischen Republik“ im Osten des Landes. Und dazwischen: die rund 160 Kilometer lange, 3,60 Meter hohe und quasi unüberwindbare Mauer, die aus einem Land plötzlich zwei Welten machte.

Da wurde auf der einen Seite Nutella gegessen und mit Ariel gewaschen, auf der anderen Seite trank man VitaCola und fuhr im Trabant zum Sonntagsausflug. Auf der einen Seite eroberten amerikanische Filme die Bildschirme, während auf der anderen Seite der Sandmann täglich die Schlafenszeit einläutete. Vor allem aber: Während auf der einen Seite eine junge Demokratie entstand und die Welt immer weiter offen stand, wurde die Welt auf der anderen Seite immer enger. Denn die Wirtschaft in der DDR hielt nicht, was sie versprach und die Menschen waren hinter den 160 Kilometern Beton quasi eingesperrt.

1989 sollte das Jahr sein, in dem sich das änderte: Plötzlich gingen die Menschen, die sich jeden Montag zum Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig trafen, danach nicht mehr brav nach Hause. Stattdessen blieben sie stehen. Und zwar nicht, um dort Smalltalk zu machen.

Die Montagsdemonstrationen wurden von Woche zu Woche größer, lauter und nachdrücklicher. Die Menschen skandierten „Wir sind das Volk“ und „Demokratie, jetzt oder nie!“

Und dann war es soweit: Am 9. November 1989 verkündete ZK-Sekretär Günter Schabowski in einer berühmt gewordenen Pressekonferenz, dass Reisen ins Ausland „ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ möglich seien – und zwar „sofort, unverzüglich“. Danach gab es kein Halten mehr: Tausende Menschen strömten an die Berliner Mauer, jubelten, feierten – und begannen mit der Demontage dieser fast dreißig Jahre alten innerdeutschen Grenze.

Tag der deutschen Einheit – Ende gut, alles gut?

Etwas mehr als ein Jahr dauerte es nach dieser Nacht, bis auch politisch alles geklärt war: Am 3. Oktober 1990 fand die offizielle, deutsche Wiedervereinigung statt. Jetzt waren auch in Berlin, Bleckde und Garge die Menschen wieder Nachbarn – statt Angehörige zweier Staaten.

Seitdem ist der 3. Oktober der „Tag der Deutschen Einheit“ und ein Feiertag: Die Schulen haben geschlossen, viele Menschen gehen an diesem Tag nicht arbeiten und in zahlreichen großen Städten gibt es Veranstaltungen, um den Feiertag zu begehen.

30 Jahre später ist Deutschland wieder ein Land, in Berlin erinnern nur noch Bruchstücke der Mauer und Ausstellungsstücke in Museen an die Trennung – und viele Kinder kennen die Bilder und Geschichten nur aus Büchern. Und auch bei Bevölkerungszahlen, Wirtschaftsleistung und Bildung gleichen sich die ehemaligen Teile Deutschlands immer mehr an.

Also dann – Haken dran und vergessen? Lieber nicht.

Tag der deutschen Einheit: Heute gibt es die deutsche Mauer zum Glück nur noch als Reststücke oder künsterlische Aufarbeitung
© Dimitris Vetsikas auf Pixabay

Denn die Teilung Deutschlands ist ein Teil unserer Geschichte. Ein Teil, der die Identität dieses Landes entscheidend prägt – und der Ansporn und Mahnmal für die Zukunft bleiben sollte. Deshalb ist es wichtig, dass der 3. Oktober so ein Tag bleibt, der sofort etwas wachruft – Assoziationen, Bilder, Emotionen. Und zwar nicht nur bei den Menschen, die damals live dabei waren. Sondern auch und vor allem bei den Kindern und Jugendlichen. Die waren vielleicht noch nicht dabei, als die Mauer fiel. Die Assoziationen und Bilder sollten sie trotzdem haben. Denn …

… die Geschichte ihres Landes prägt auch ihre Geschichte – die ihrer Eltern, Großeltern, Freundinnen und Freunde.

… aus der Geschichte können und müssen wir für die Zukunft lernen.

… bei allem Fortschritt – es gibt immer noch viel zu tun, damit die Mauer wirklich auch aus jedem Kopf verschwindet.

Klick: Schlaues, Wissenswertes, Interessantes für Kinder

Deshalb gilt auch 30 Jahre später: Ab auf den Tisch mit dem Thema Wiedervereinigung! In den Familien, in den Schulen und Kindergärten – alle Kinder, die am 3. Oktober ausschlafen und frei haben, müssen auch wissen, warum!

Im Internet gibt es dazu schon viele gute Angebote, die Kinder mit ihrer Klasse, mit ihren Eltern oder auch alleine anklicken und nutzen können. Ein paar Beispiele gefällig? Bitteschön:

  • Wer? Wie? Was? Zum Rein- und Weiterlesen, zum Informieren, Auffrischen und immer wieder neu schlaumachen gibt es gute Texte und Infos rund um Teilung und Wiedervereinigung bei ZDFlogo!, auf der Kinderseite des BR oder bei kindersache.
  • Und jetzt? Was nun? Arbeitsblätter, Ideen zur Unterrichtsgestaltung und die passenden Materialien und Medien dazu bietet der Bildungsserver und das Projekt Chronik der Mauer.
  • Und sonst? Wer es interaktiv mag, gleich seine Fragen loswerden oder direkt online in die Materie hüpfen will, ist beim Hanisauland oder bei LeMO – Lebendiges Museum Online genau richtig.

Oder gleich hier: Denn die peachy-Detektive Leo, Tarek und Alessia haben sich (natürlich!) auch mit dem Thema Teilung, Mauerfall und Wiedervereinigung beschäftigt! Wir haben drei kostenlose Arbeitsblätter für euch – einfach per Klick auf den grauen Button downloaden und in der Schule, im Kindergarten oder zu Hause einsteigen in diesen spannenden, wichtigen Teil unserer Geschichte!

Woran denkt ihr, wenn ihr „Tag der deutschen Einheit“ hört? Was bedeutet der Tag für euch? Lasst uns gern einen Kommentar da!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.